Konzept

Informelle Bildung für Kinder und Jugendliche gestaltet sich in Deutschland so: Durch das eigene Mitgestalten in vielfältigen Vereinen und bei diversen an den Interessen Jugendlicher orientierten Aktivitäten sammeln junge Menschen Erfahrungen, gewinnen an Selbstvertrauen und erhalten Perspektiven für ihre eigene Zukunft.

 

Situation in Benin: Es gibt sehr wenige Angebote und die wenigen sind meist im Süden des Landes im großen Ballungszentrum um die Städte Cotonou und Porto-Novo. Das Zentrum des Nordens ist die Stadt Parakou. Sie ist die drittgrößte Stadt der Republik Benin mit ca. 260.000 Einwohnern. Neben der Schule haben junge Menschen hier somit keinen Raum und wenig Möglichkeiten, sich unter Gleichaltrigen zu treffen und informelle Bildung zu erhalten. Viele helfen ihren Familien bei der täglichen Arbeit. Ein hoher Anteil geht gar nicht zur Schule – trotz Schulpflicht bis zum Alter von 11 Jahren. Fast 60 Prozent der Erwachsenen können weder lesen noch schreiben. Ein Merkmal für Analphabetismus ist: Wer die Schule nicht besucht, spricht nur seine lokale afrikanische Sprache.

Die informellen Bildungsprozesse in der Kinder- und Jugendarbeit der ACADEMY KABONGO SPORTS DE PARAKOU zielen auf die Vermittlung von Kompetenzen und von Orientierungswissen. Kinder und Jugendliche sollen in ihrer Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit gestärkt werden.

 

Junge Menschen zu befähigen, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen, sich für die eigenen Interessen und die Rechte anderer einzusetzen ist zentraler Bestandteil unseres Konzeptes. Den jungen Menschen helfen die Fähigkeit zu erwerben, Konflikte zu bewältigen, ihre Kompetenzen zu erweitern und sich als Personen zu erleben, die etwas bewirken können und anerkannt werden. Durch das Erleben der eigenen Stärke, Erkennen von einzigartigen Talenten und dem Erweitern des Horizontes kann es gelingen, die Schulzeit zu verlängern und eine Perspektive für das eigene Leben zu entwickeln.

Wichtig auf diesem Weg sind ebenso Toleranz und Weltoffenheit. Die Akademie möchte die Begegnung und Verständigung von Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen erreichen und damit die interkulturelle Kompetenz der Teilnehmenden fördern. Durch die Beschäftigung mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den Ethnien und Kulturen wird vormals Fremdes vertraut, lassen sich eigene Vorstellungen revidieren, Vorurteile abbauen und man kann Verbindendes entdecken. Zudem gewinnt die eigene kulturelle Identität an Profil.

 

Die Akademie fördert mit ihrer Arbeit Qualifikationen, die für den schulischen und für den beruflichen Werdegang entscheidend sind. Rüstzeug für ihr gesamtes späteres Familien- und Berufsleben. So könnte das Angebot der Akademie dabei helfen, Lebenswege zu verbessern. Und langfristig profitiert im Idealfall die ganze Familie davon. Die Akademie hat z.B. einen Elternrat ins Leben gerufen und um sich auszutauschen werden regelmäßige Treffen mit dem Vorstand abgehalten.

Die Akademie möchte dabei helfen, den Stand von Bildung und informelle Bildung im Norden Benins zu erhöhen. Viele Kinder und Jugendliche verlassen, aus unterschiedlichen Gründen, frühzeitig die Schule. Mädchen schließen oft nicht einmal die Grundschule ab. Bildung kann ein Schlüssel sein, aus der Armut herauszukommen.

 

Das Konzept der Akademie ist an der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen in Benin ausgerichtet und verändert sich dadurch stetig.
All das geht nur Schritt für Schritt, doch mit Ihrer Hilfe natürlich etwas schneller.

Akademie:

Im Jahre 2015 wurde die ACADEMY KABONGO SPORTS DE PARAKOU in Parakou gegründet und 2017 offiziell als Nichtregierungsorganisation (NGO) anerkannt. Die Teilnahme an der Akademie ist kostenlos. Das Angebot umfasst zu Zeit Fußball für Jungs im Alter von 8 – 17 Jahren. Im Dezember 2018 haben wir damit begonnen, ein Angebot für Mädchen aufzubauen. Leider gibt es dabei Probleme, denn die jungen Mädchen dürfen nicht alleine zum Training kommen und wir können bisher noch keine verlässliche Möglichkeit anbieten, sie abzuholen. Als Übergangslösung zahlen wir ihnen einen kleinen Betrag für ein Taximotorrad pro Trainingstag. Wir hoffen darauf, dass die Akademie bald ein eigenes Auto oder einen Bus besitzen wird, damit das Training leichter zugänglich wird für die Mädchen aus Parakou und Umgebung. Das Fußballspielen im Rahmen der Akademie ist für die Mädchen sehr attraktiv und sie könnten dann häufiger daran teilnehmen. Ihnen wird ein kompetentes Trainerteam und modernes Trainingsmaterial geboten. Hoffentlich bald erhalten alle einheitliche Trainingskleidung. Hierdurch wäre nicht sichtbar, aus welchem (finanziellen) Elternhaus ein Teilnehmer kommt. Das Trainieren in einheitlicher Kleidung unterstreicht des weiteren den Teamgedanken und dass das Tun eines Jeden Auswirkungen auf das Ganze hat. Über 70 Jungs sind aktuell in der Akademie gemeldet. Mädchenmannschaften sind im Aufbau. Das Training findet während der Schulzeit zweimal wöchentlich statt. In den Ferien bis zu viermal. Der Elternrat und der Vorstand sind im stetigen Austausch. Unser Ziel ist stets: Miteinander auf Augenhöhe.
Weitere Angebote informeller Bildung, Berufswegeplanung und Weiterbildung sind eng verbunden mit dem geplanten Bau eines Hauses für die Akademie.

 

Haus der Akademie:
Ein Haus für die Akademie ist sehr wichtig für die Erweiterung des Angebotes. Hier sollen Seminare, Weiterbildungen, Coachings und alle Treffen der Akademie abgehalten werden. Die Akademie benötigt außerdem ein festes Büro. Darüber hinaus kann hier das Trainingsmaterial gelagert werden. Mit dem Bau einer Solaranlage soll das Haus unabhängig werden vom lokalen Stromnetz. Denn immer wieder fällt für Stunden der Strom aus und erschwert so eine sinnvolle Planung. Um Seminare für das digitale Zeitalter anbieten zu können und Medienkompetenzen zu vermitteln, benötigt die Akademie zudem einen Internetzugang.

 

Mobilität:
Damit Teilnehmer, die weiter weg wohnen, gefahrlos zum Training kommen können benötigt die Akademie einen Mannschaftsbus. Noch wichtiger ist dies, da jetzt ein Angebot für Mädchen dazugekommen ist. Mit dem Mannschaftsbus können die Teilnehmer auch zu Freundschaftsspielen, Trainingslagern, Turnieren und sonstigen Aktivitäten sicher befördert werden. Der öffentliche Nahverkehr im Norden Benins ist oft unzuverlässig und für Gruppen junger Menschen nicht geeignet.

 

Allgemeiner Grundsatz:
Die Spirale aus Armut und Bevölkerungszunahme lässt sich letztlich nur mit verbesserter Schulbildung durchbrechen, wie die Beispiele zahlreicher ehemaliger Entwicklungsländer zeigen, denn Menschen mit besserer Bildung gründen später eine Familie und haben weniger Kinder; außerdem können sie ihre Familien besser versorgen. Die Weltbank hat nachgewiesen, dass Länder, in denen die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Erziehung, Beschäftigung und Eigentumsrechten gering sind, weniger Unterernährung und Kindersterblichkeit kennen. Die Wirtschaft dieser Länder wächst schneller, mit weniger Umweltschäden, und sie werden zunehmend verantwortungsvoller regiert. Verbesserte Bildungs- und Lebenschancen für Frauen tragen außerdem zu einer bewussten Familienplanung und einem moderaten Bevölkerungswachstum bei. Frauen mit einer guten Schulbildung können zudem meist besser für ihre eigene Gesundheit und das Wohlergehen ihrer Kinder sorgen. Weniger Kinder in der Familie bedeutet insgesamt die Eltern geben dem einzelnen Kind eine größere Aufmerksamkeit für seine Entwicklung.

 

Ein Beschränken der Zahl der Kinder kommt in armen Familien solange nicht in Frage, als Kinder zugleich zusätzliche Verdiener sind. Familie bedeutete für sie in erster Linie eine Wohn- und Essgemeinschaft in einem überaus harten Leben; von Erziehung, Bildung und Ausbildung der Kinder kann kaum die Rede sein. Diese Spirale zum Wohle aller zu durchbrechen, ist Ziel der Bemühungen der Akademie.

 

Da gerade informelle Bildungsprozesse schwer darstell- und messbar sind, wird ihre Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion oft unterschätzt und zu wenig politisch und gesellschaftlich anerkannt. Die Sicht auf Kinder- und Jugendarbeit positiv zu beeinflussen ist ebenso eines der Ziele. Mit Hilfe der Medien versucht die Akademie auf die Projekte aufmerksam zu machen und nutzt dabei die lokalen Gegebenheiten. Viele gerade ältere Menschen in Benin sind Analphabeten und beziehen ihre Informationen über Radio, Fernsehen und Mund-zu-Mund Propaganda. Teilnehmer der Akademie können hier Multiplikatoren sein, beispielsweise in der Schule, der Familie und auch als Gesicht eines TV Berichtes.

 

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